Lebensmittelsicherheit von Aluminium-Kochgeschirr: Risiken & Alternativen

Gesundheitliche Risiken haben Aluminium in Verruf gebracht. Das Leichtmetall kann in deinen Medikamenten, in Verpackungen, Antitranspirantien und vielen anderen Dingen, denen du im Alltag begegnest, enthalten sein.

Im Outdoor-Bereich sorgt es in Verbindung mit Koch- und Essgeschirr für Gesprächsstoff. Einige Outdoor-Freunde haben ihre Alu-Kochutensilien längst ersetzt, andere halten bedenkenlos daran fest. Doch wer hat am Ende recht?

Kochgeschirr-Alternativen zu Aluminium
Kochgeschirr-Alternativen zu Aluminium
Alu Kochgeschirr auf Gas-Brenner
Alu Kochgeschirr auf Gas-Brenner

Gesundheitliche Risiken von Aluminium

Die gesundheitlichen Auswirkungen (insbesondere Langzeitfolgen) von Aluminiumverbindungen auf den menschlichen Organismus sind gar nicht so leicht zu benennen. Grund dafür sind unterschiedliche Ansichten innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft.

Einige Wissenschaftlicher bringen Aluminium mit den Erkrankungen Alzheimer und Krebs in Verbindung. Andere wiederum bewerten die bisherigen Forschungsergebnisse als unzureichend, um solch eine Wirkung zweifellos zu bestätigen.

Eine Entwarnung ist das jedoch nicht, denn unter Laborbedingungen wurden durch Aluminiumsalze hervorgerufene Zellmutationen nachgewiesen. Darüber hinaus wirkt Aluminium auf bestimmte Proteine ein, was zu einer neurotoxischen Wirkung führt. Weil Aluminium in natürlicher Nahrung enthalten ist und durch deren Verzehr empfohlene Grenzwerte schnell erreicht sind, sollte die Aluminiumaufnahme auf ein Minimum beschränkt werden.

Geht von Aluminium-Kochgeschirr eine Gefahr aus?

Es gibt zwei Wege, über die Aluminium vom Kochgeschirr in deinen Körper gelangt.

  • Abrieb: Grobe Aluminiumpartikel werden vom Besteck (insbesondere von Metallbesteck, weil es härter als Holz- oder Kunststoffbesteck ist) herausgelöst. Ob durch den Einsatz von Messer, Gabel oder Löffel, es können Kratzer in der Materialoberfläche entstehen und abgeriebene Partikel in die Speise gelangen.
  • Auflösen: Salze und Säuren lösen Aluminiumpartikel auf molekularer Ebene aus Töpfen, Pfannen und Tellern heraus, wodurch es ebenfalls in deine Nahrung gelangt.

Üblicherweise ist Aluminium-Kochgeschirr nicht aus reinem Aluminium, sondern aus Aluminiumlegierungen gefertigt. Die ergänzenden chemischen Elemente verändern die Materialeigenschaften und machen das Geschirr z.B. härter. Hierdurch lässt sich auch der Übergang von Partikeln in die Nahrung verringern, weshalb nur ausgewählte Legierungen als lebensmittelecht / Food Safe gelten. Allerdings wird er nicht verhindert, sondern lediglich verringert.

Erhitzen von Wasser

Ein spezieller Anwendungsfall ist das ausschließliche Erhitzen von Wasser. Ob im Alutopf oder Wasserkessel: Wenn du mit deinem Campingkocher Wasser zum Kochen bringst, um z.B. Keime abzutöten oder Heißgetränke zu machen, besteht laut Meinung vieler Experten kein Risiko. Schließlich findet kein Abrieb statt und im Wasser sind so gut wie keine Salze oder Säuren enthalten.

Wasser im Alu-Topf kochen
Wasser im Alu-Topf kochen

Zwischenfazit

Eine Aufnahme über das Kochgeschirr kann tatsächlich stattfinden, weshalb das Leichtmetall nicht ungefährlich ist. Entscheidend ist immer der Einzelfall, d.h. wie sehr das Besteck auf der Geschirroberfläche reibt und wie salz- und säurehaltig einzelne Speisen sind. Hinzu kommt die Zubereitungsdauer: Je länger sich eine säurehaltige Mahlzeit im Alutopf befindet, desto mehr Partikel löst sie heraus.

Alternativen für eine höhere Food Safety

Die Outdoor-Industrie hat längst reagiert. Ob Kochtopf, Bratpfanne oder Wasserkessel, viele Hersteller bieten ihre Kochutensilien in Verbindung mit speziellen Oberflächen an oder ersetzen das Aluminium durch andere Materialien.

1. Hartanodisiertes Aluminium

Besonders großes Interesse gilt hartanodisiertem Aluminium, das z.B. bei Trangia als „hardanodized“ (HA) bezeichnet wird. Töpfe und Pfannen dieser Art bestehen weiterhin aus Aluminium, sind aber mit einer schützenden Oxidschicht überzogen. Hieraus ergibt sich eine verbesserte Lebensmittelsicherheit bei einem weiterhin niedrigen Gewicht des Geschirrs.

Trangia HA Beschichtung
Trangia HA Beschichtung
Hartanodisierte Oberfläche
Hartanodisierte Oberfläche

Das Auftragen einer Oxidschicht auf Aluminium wird als Eloxieren bezeichnet. Beim Hartanodisieren wird das Oxid zusätzlich verdichtet, um dessen Festigkeit zu erhöhen. Die per elektrolytischer Oxidation erzeugte Schutzschicht enthält kein Aluminium und weist im Vergleich eine deutlich höhere Härte auf. Die Gefahr des Abriebs durch Metallbesteck wird verringert.

Zudem kann Aluminium nicht mehr so leicht durch Salze und Säuren herausgelöst werden. Doch aufgepasst, natürliche Oxidschichten sind beständig im Bereich von pH 4,5 bis 8,5. Essigsäure hat einen Ph-Wert von 5,4 bis 6,3 womit hartanodisiertes Kochgeschirr ausreichenden Schutz bietet. Reine Zitronensäure hat hingegen einen pH Wert von kleiner 3.

Damit bieten HA Kochutensilien keinen hundertprozentigen, aber deutlich verbesserten Schutz. Entscheidend ist letztlich, welche Speisen zubereitet werden. Zu Bedenken ist auch, dass die Säuren im Regelfall nicht pur einwirken, sondern sich durch die Nahrung verdünnen und somit der pH-Wert angehoben wird.

Vorteile von hartanodisiertem Geschirr

  • Verbesserte Lebensmittelsicherheit
  • Hohe Kratzfestigkeit
  • Niedriges Gewicht, das Campinggeschirr bleibt leicht

Nachteile

  • Eingeschränkt säurebeständig
  • Teuer

2. PTFE / Non-Stick

Eine weitere Beschichtung ist Polytetrafluorethylen (PTFE). Sie ist aus der Küche nicht mehr wegzudenken und vielen Menschen unter dem Markennamen Teflon bekannt. Große Beliebtheit hat sie wegen ihrer Antihafteigenschaften erlangt. Im Feld des Campinggeschirrs hat sich PTFE fest etabliert, etliche Hersteller überziehen ihr Alugeschirr(z.B. Trangia Non-Stick) damit.

Alu-Topf mit PTFE-Beschichtung
Alu-Topf mit PTFE-Beschichtung
Zerkratzte PTFE Oberfläche
Zerkratzte PTFE Oberfläche

Durch PTFE wird die Lebensmittelsicherheit erheblich gesteigert. Deine Speise kommt mit dem Aluminium nicht mehr in direkten Kontakt und selbst Salze und Säuren können es nicht herauslösen.

Doch perfekt ist PTFE nicht, bei Erreichung hoher Temperaturen (ab 202 Grad Celsius) werden gesundheitsgefährdende fluorierte Verbindungen freigesetzt. Diese Gefahr besteht in erster Linie, wenn ein Kochgefäß mit PTFE-Beschichtung leer erhitzt wird. Sobald sich jedoch Lebensmittel in in Pfanne oder Topf befinden, wird die Temperatur abgeleitet und eine Überhitzung der Pfanne nahezu ausgeschlossen.

Vorteile von PTFE Geschirr

  • Hohe Lebensmittelsicherheit
  • Kein Einbrennen dank Antihaftbeschichtung
  • Anbraten mit wenig Fett
  • Leichter Abwasch
  • Niedriges Gewicht

Nachteile

  • Niedrige Kratzfestigkeit (kein Metallbesteck verwenden)

3. Titan

Titan ist zu einer gefragten Aluminiumalternative aufgestiegen. Kein Wunder, denn in Sachen Lebensmittelsicherheit sind bislang keine Risiken bekannt und zugleich trumpft das Material mit einem niedrigen Gewicht auf.

Titan Tasse
Titan Tasse
Titan Oberfläche
Titan Oberfläche

Streng genommen ist Titan schwerer als Aluminium. Da es jedoch über eine höhere Festigkeit verfügt, lassen sich Titantöpfe, Pfannen, Tassen etc. mit einer niedrigeren Wandstärke herstellen, wodurch sie verglichen mit Aluminiumartikeln sogar leichter sein können.

Trotz dieser Eigenschaften überzeugt Titangeschirr nicht alle Outdoorfreunde. Seine Antihaft-Eigenschaften sind nicht die besten, beim Braten drohen Speisen leicht anzubrennen. Darüber hinaus ist die Verarbeitung von Titan aufwändig, was hohe Preise zur Folge hat.

Vorteile von Titan Geschirr

  • Hohe Lebensmittelsicherheit
  • Säurebeständig
  • Kratzbeständig
  • Sehr leicht

Nachteile

  • Keine guten Antihafteigenschaften
  • Schlechter Wärmeleiter
  • Teuer

4. Edelstahl

Eine weitere Alternative zu Aluminium ist Koch- und Essgeschirr aus Edelstahl. Kochtöpfe und Pfannen aus Stahl sind lebensmittelecht und überzeugen mit sehr hoher Kratzfestigkeit. Kein Wunder, dass Edelstahl-Kochgeschirr in so gut wie jeder Küche anzutreffen ist.

Klassischer Edelstahl-Kochtopf
Klassischer Edelstahl-Kochtopf
Trangia Duossal - Aluminium und Edelstahl
Trangia Duossal - Aluminium und Edelstahl

Die große Schwäche vom Stahl ist das hohe Gewicht. Outdoor-Freude, die ihre Campingküche im Rucksack transportieren, ziehen im Regelfall leichtes Geschirr vor. Einige Hersteller produzieren daher besonders dünnwandige Kochutensilien oder verknüpfen die Vorzüge von Aluminium und Stahl. So wie beispielsweise Trangia mit seinen Duossal 2.0 Pans und Sauce Pans. Trangia DS Töpfe und Pfannen bestehen aus ultraleichtem Aluminium und sind im Innern vollständig mit einer Lage Edelstahl ausgekleidet.

Vorteile von Edelstahl Geschirr

  • Höchste Lebensmittelsicherheit (lebensmittelecht)
  • Sehr hohe Kratzfestigkeit

Nachteile

  • Hohes Gewicht

Fazit

Wenn du an Kochgeschirr aus Aluminium festhalten möchtest, verwende hochwertige Produkte (z.B. Trangia Ultralight Aluminium) und sei beim Kochen achtsam. Es sollte möglichst kein Materialabrieb stattfinden und Säuren sind zu meiden bzw. die Zubereitungsdauer kurz zu halten.

Du möchtest kein Risiko eingehen? Dann mach um Alu-Geschirr einen Bogen. Es gibt genügend Alternativen, die Auswahl an hochwertigem Ess- und Kochgeschirr ist riesig. Ob nun Hartanodisiertes Aluminium, PTFE, Titan oder Edelstahl am besten ist, lässt sich pauschal nicht sagen. Am Ende kommt es auf den vorgesehenen Einsatzbereich und darauf, welche Eigenschaften dir am wichtigsten sind.