Fliegenfischen in Norwegen: Gewässer, Lizenzen, Ausrüstung & Tipps

Mit der 6er Fliegenrute am Forellenfluss

Norwegen steht bei Anglern seit jeher hoch im Kurs. Meist geht es mit dem Boot hinaus aufs Meer, um mit schwerem Angelgerät Dorsch, Heilbutt, Makrele und Pollack nachzustellen. Aber nicht nur draußen auf hoher See hat das skandinavische Land Anglern viel zu bieten. Falls du lieber an Land mit der Fliegenrute losziehen möchtest, kommst du in Norge auch auf deine Kosten.

In diesem Beitrag habe ich meine Erfahrungen rund um das Fischen in Norwegen zusammengefasst. Unsere Tipps richten sich vorrangig an Fliegenfischer, helfen dir aber auch, solltest du mit der Spinnrute fischen willst.

Arten norwegischer Angelgewässer

1. Küste

Angeln an der norwegischen Küste ist tough, denn offene Strände sind die Ausnahme. Felsen prägen die Küstenlandschaft, weshalb die größte Herausforderung darin besteht, befischbare Stellen zu finden. Es geht nicht nur darum, mit der Fliegenrute werfen zu können. Ebenso muss es dir möglich sein, am Angelplatz deine Fische sicher zu landen. Das Mitnehmen eines langen Keschers ist daher eine clevere Entscheidung.

Fliegenfischen an der Küste in Norwegen
Fliegenfischen an der Küste in Norwegen
Norwegische Küste
Norwegische Küste

Das Spektrum an Fischen, die du an der Küste fangen kannst, ist breit gefächert. Am häufigsten gehen Dorsch, Köhler, Makrele und Pollack an den Haken. Eine schon fast eigene Disziplin ist das Fliegenfischen auf Meerforelle. Während die anderen Meeresfische fast überall anzutreffen sind, ist es beim Meerforellenangeln vorteilhaft, geeignete Spots zu kennen.

2. Fjord

Viele Angler und Fliegenfischer möchten am Fjord fischen. Dort lauern die zuvor genannten Meeresfische einschließlich Lachs und Meerforelle. Die einzelnen Fjorde sind höchst unterschiedlich beschaffen, was es dir als Fliegenfischer nicht immer leicht macht. Manchmal sind befischbare Stellen wegen mangelndem Rückraum kaum zu finden, andere Fjorde (z.B. am Trondheimfjord) zeigen sich wiederum sehr wurffreundlich.

3. Flüsse

Ob Lachsfluss, Forellenfluss oder Äschenfluss, namhafte Fließgewässer gibt es in Norwegen reichlich. Die Namen von Flüssen wie Gaula, Glomma, Mandal und Namsen lassen die Herzen vieler Angler schneller schlagen. Falls du Salmoniden mit der Fliegenrute überlisten möchtest, kommst du garantiert auf seine Kosten.

Jungfisch Bachforelle aus Norwegen
Jungfisch Bachforelle aus Norwegen
Norwegische Bachforelle
Norwegische Bachforelle

Besser gesagt hast du die Chance auf den Fang solcher Fische. Insbesondere Lachs und Meerforelle stapeln sich in den Flüssen nicht unbedingt. Zugleich kann an einigen öffentlichen Gewässern ein enormer Befischungsdruck bestehen. Die Wahl des Gewässers ist daher entscheidend. Außerdem ist auch stets ein wenig Glück im Spiel, bestimmt durch Wetter und augenblickliche Beißlaune der Fische.

4. Seen

Auf den Hochplateaus / dem Fjell finden sich unzählige Seen, die du per Tages- oder Wochenkarte preiswert befischen kannst. Gefischt wird vor allem auf Saibling, aber auch Äsche, Forelle und sogar Hecht sind beliebte Zielfische.

See auf dem Fjell
See auf dem Fjell
Fjell Wanderung
Fjell Wanderung

Allerdings ist die Seenfischerei in jedem Jahr anders und damit schwer vorhersagbar. Wer an den Seen mit der Fliege angreifen möchte, sollte sich gut informieren und viel Geduld mitbringen. Bedenke außerdem den Befischungsdruck. Je leichter ein Gewässer zu erreichen ist, desto mehr Angler fischen dort. Für beste Fänge und das schönste Naturerlebnis begibst du dich auf nicht befahrbare Wege, wanderst einen halb Tag lang und nimmst neben deiner Fliegenrute und Backup-Rute ein Zelt mit. Solche Angeltrips machen zwar Arbeit, können aber fürstlich belohnt werden.

Fliegenausrüstung: Empfohlenes Gerät

Schnurklassen und Rutenlängen leiten sich primär von deinem Zielfisch und möglichen Beifängen ab. Darüber hinaus sind Besonderheiten der jeweiligen Gewässer, wie z.B. die Strömungsstärke oder Windstärke, zu berücksichtigen. Die folgenden Empfehlungen (bezogen auf Einhandruten) sind als Orientierungshilfe gedacht. Je nach Vorliebe und Situation kannst du die Schnurklasse anpassen.

Küste und Fjord: Zum Fischen auf Meerforelle empfiehlt sich klassisch eine Fliegenrute der Klasse #7. Für die anderen Meeresfische (insbesondere an der Außenküste) rate ich zu Ruten, die ab Schnurklasse #8 beginnen. Bei den Fliegenschnüren ist Auswahl gefragt, eine Intermediate-Schnur sowie mittelschwere und schwere Sinkschnüre (oder entsprechende Schussköpfe) sollten nicht fehlen.

Mit der 6er Fliegenrute am Forellenfluss
Mit der 6er Fliegenrute am Forellenfluss
9er Solitip Fliegenrute für die Küste
9er Solitip Fliegenrute für die Küste

Fluss: Das Fischen auf Äsche bereitet in der Schnurklasse #4 große Freude. Je nach Strömungsstärke kann auch eine #5er Rute zu empfehlen sein. An größeren Flüssen ist darüber nachzudenken, ob dir 9 Fuß Rutenlänge genügen oder du besser zu einer längeren Fliegenrute greifst. Je nach Gewässergröße kann sich sogar der Einsatz einer Zweihandrute empfehlen. Wenn du großen Äschen und Bachforellen mit dem Streamer nachstellen möchtest, starte bei der Einhandrute am besten mit Schnurklasse #6. Was die Schnüre betrifft, so empfehlen sich Schwimmschwüre und leichte Sinkschnüre.

See: Wer vom Boot aus mit der Trockenfliege auf steigende Äschen fischt, ist ggf. mit einer #4er oder #5er Rute bedient. Sofern du Streamer vom Ufer aus werfen willst, sind Ruten der Klassen #6 oder #7 meist die bessere Wahl. Auf Hecht wird am besten mit Klasse #8 oder 9 gestartet. Auch hier empfehlen sich Schwimmschwüre und leichte Sinkschnüre.

Darüber hinaus solltest du als Angler wetterfeste Bekleidung (am besten Watbekleidung) auf deiner Norwegentour mit dabei heben. Das Wetter kann schnell und heftig umschlagen, weshalb dieser Schutz unverzichtbar ist. Ebenso eine gute Polbrille, damit du am Wasser den Durchblick behältst. Hier findest du unsere Empfehlungen für Polarisationsbrillen.

Erlaubnisscheine: Norwegische Angellizenzen (Fiskekort)

Meer, Küste & Fjord: In wenigen Gebieten, wie z.B. an einigen Flussmündungen, können Einschränkungen bestehen. Ansonsten ist die Meeresangelei jedermann gestattet, d.h. eine Lizenz benötigst du nicht. Allerdings bestehen Fang- / Ausfuhrbeschränkungen, die zwingend einzuhalten sind.

Süßwasser: Die meisten Flüsse und Seen befinden sich in Privatbesitz. Erfreulicherweise vermarkten die meisten Landbesitzer ihre Angelgewässer über inatur (gestützt von Portalen wie Fishspot und Scanatura). Dort ist eine Vielzahl an Gewässern gelistet, für die du Tageskarten, Wochenkarten und Jahres- bzw. Saisonkarten direkt online lösen kannst.

Erlaubnisscheine für die meisten Gewässer kosten ungefähr zwischen 300 und 600 NOK pro Woche. So kannst du im Regelfall für rund 5 bis 10 Euro pro Tag fischen.

Angellizenzen für Norwegen: inatur.no

  • Bereitstellung der Lizenz: Die Fiskekort wird per E-Mail versendet. Du kannst sie ausdrucken oder den digitalen Erlaubnisschein auf deinem Smartphone zu speichern.
  • Abrechnung: Per Kreditkarte
  • Besonderheit 1: Oft ist der Angelbeginn auf die volle Stunde (z.B. Angelbeginn 17:00 Uhr) festlegbar, sodass sich beispielsweise eine Tageskarte (24h gültig) auch am nächsten Tag noch nutzen lässt.
  • Besonderheit 2: Auf inatur werden sowohl einzelne Flüsse als auch ganze Regionen vermarktet, teilweise mit Überschneidung und das sogar zum selben Preis. Wenn du Fliegenfischen an einem bestimmten Fluss planst und er in inatur gelistet ist, prüfe ob auch eine Fiskekort für die Region angeboten wird. Mit Glück erhältst du für dieselben Kosten den Zugang zu einem größeren Revier.

Lachsflüsse: Für einige Lachsflüsse ist die Fiskekort ebenfalls über inatur erhältlich. Doch aufgepasst, hier sind Beginn und Ende der Angeldauer meist genau definiert und die Anzahl der Erlaubnisscheine ist stark limitiert (meist ein Angler je verfügbarem Beat). Außerdem können ergänzende Bestimmungen gelten, die nur dem Fließtext / Kleingedruckten (leider oft nur auf Norwegisch) zu entnehmen sind. So manche Fiskekort zum Fliegenfischen auf atlantischen Lachs erscheint auf den ersten Blick preiswert. Es kann aber sein, dass z.B. ergänzend beim Landbesitzer eine kostspielige Unterkunft gebucht werden muss.

Viele Lachsstrecken werden privat vermarktet. Die Karten sind üblicherweise streng limitiert und können stattliche Preise haben. Wer einen Traumfisch an der Fliegenrute drillen möchte, lässt sich vorzugsweise vom Experten beraten. Beste Erfahrungen habe ich mit pukka destinations gemacht. Carsten kann dir Zugang zu erstklassigen Lachsgewässern verschaffen und leistet vorbildliche Unterstützung bei der Vorbereitung deines Trips.

Lachsfischen in Norwegen: pukka destinations

An zahlreichen Lachsflüssen haben die Norweger schwer mit dem Lachsparasiten Gyrodactylus salaris zu kämpfen. Der kleine Hakenwurm hat die Lachsbestände schon mehrfach stark dezimiert. An vielen Flüssen wird er durch Einsatz von Chemikalien gezielt bekämpft.

Leider kann der Parasit deiner Angelausrüstung anhaften, wodurch eine Übertragung von Gewässer zu Gewässer droht. An so gut wie allen Lachsflüssen besteht deshalb die Pflicht, die eigene Ausrüstung (betrifft nicht nur Fliegenruten, Fliegenrollen und Schnüre, sondern ebenso die Watbekleidung) fachgerecht zu desinfizieren und einen entsprechenden Nachweis bei sich zu tragen. Die Desinfektion erfolgt üblicherweise direkt am Gewässer. Der zuständige Ansprechpartner sollte am besten im Vorfeld recherchiert werden.

Anreise & Fortbewegung

Zahlreiche Angeltouristen reisen mit dem Pkw oder Wohnmobil nach Norwegen. Von Deutschland aus kommend ist die Anreise theoretisch auf dem Landweg über Schweden möglich, wobei die Mehrheit der Reisenden jedoch auf die Überfahrt mit der Fähre setzt.

Im Regelfall ist die Nutzung eines eigenen Fahrzeugs deutlich preiswerter als die Anreise mit dem Flugzeug und anschließender Nutzung eines Mietwagens. Allerdings ist zu bedenken, dass in Norwegen unausweichliche Mautstraßen existieren. Die Abrechnung erfolgt nachträglich, einige Monate nach Rückkehr wird die Rechnung per Brief an den Fahrzeughalter zugestellt. Für eine etwas schnellere Abrechnung ist es möglich, das eigene Fahrzeug zuvor online zu registrieren.

Norwegisches Mautsystem: autopass.no

Übernachtung

Deutsche Touristen, die sich dem Meeresangeln verschrieben haben, mieten sich gerne in Ferienhäuser ein, die sich in Hafennähe befinden und zudem ein Boot beinhalten. Falls du im Inland als Fliegenfischer unterwegs sein möchtest, kannst du dir ebenfalls ein Ferienhaus mieten.

Viele Campinganlagen vermieten kleine, spartanisch ausgestattete Hütten. Diese sind gewöhnlich günstiger als Ferienhäuser, allerdings auch stark nachgefragt. Je nach Reiseziel kann sich eine Reservierung empfehlen. Sofern du hingegen mit kleinem Budget reist und im Zelt übernachten willst, findet sich immer ein Zeltplatz. Ähnlich steht es um Stellplätze für Wohnmobil und Wohnwagen, diese sind meist gut verfügbar.

Hütte für Übernachtung
Hütte für Übernachtung
Zelt an der norwegischen Küste
Zelt an der norwegischen Küste

Jedermannsrecht: Wie in Finnland und Schweden gilt auch Norwegen das Jedermannsrecht. Mit diesem Recht geht die Erlaubnis einher, sowohl in der Wildnis als auch auf privatem Landeigentum zu übernachten. Damit eröffnet sich dir die Gelegenheit, preiswert zu zelten. Allerdings gelten diverse Einschränkungen, wie z.B. Abstandsregeln und zeitliche Begrenzungen.

Hinweise zur Einreise

Norwegen ist kein EU-Mitgliedstaat. Damit existieren Beschränkungen bei der Einführung von Lebensmitteln, insbesondere von alkoholischen Getränken. Meine Erfahrung zeigt, dass besonders Angler bei Einreise mit dem Pkw gerne und gründlich an der norwegischen Grenze kontrolliert werden. Daher ist es ratsam, sich mit den Einfuhrbestimmungen vertraut zu machen und diese einzuhalten. Selbiges gilt für die Ausfuhrbestimmungen, insbesondere was Fisch betrifft.